STEUERUNGSLEITFADEN · MASCHINEN- UND ANLAGENBAU

Angebotscontrolling: Sieben Kennzahlen, die offene Angebote steuerbar machen.

Ein Forecast beantwortet, was wahrscheinlich kommt. Angebotscontrolling muss zuerst zeigen, was bereits versendet wurde, wo der Prozess steht und welche nächste Aktion tatsächlich ausgeführt werden muss.

01 / ABGRENZUNG

Angebotsquote ist nicht dasselbe wie offene Pipeline.

Die Angebotsquote betrachtet erstellte Angebote im Verhältnis zu einer geplanten Anzahl oder Angebotssumme. Die Angebotserfolgsquote betrachtet daraus gewonnene Aufträge. Beide sind nützlich, beantworten aber nicht, welche bereits versendeten Vorgänge heute ohne Owner, Rückmeldung oder nächste Aktion liegen.

Für diese operative Lücke braucht die Vertriebsleitung einen stichtagsbezogenen Bestand und einen klaren Arbeitszustand pro Angebot. Branchenwerte dürfen dabei nicht als universelle Zielwerte übernommen werden: Produktgruppen, Projektgrößen und Vertriebszyklen unterscheiden sich.

Begriffliche Grundlage: VDMA-Leitfaden „Kennzahlen im Produktmanagement“. Angebotsfluss leitet daraus keine Branchenbenchmark oder Erfolgsgarantie ab.

02 / STEUERUNGSMODELL

Die sieben Kennzahlen für den wöchentlichen Review.

KennzahlSaubere Definition
Offene PipelineSumme der aktuell offenen Angebotswerte — immer mit Stichtag, Währung und eindeutigem Status.
AltersstrukturAnzahl und Wert in definierten Altersklassen, zum Beispiel 0–14, 15–30, 31–60 und über 60 Tage.
Owner-AbdeckungAnteil offener Vorgänge mit genau einer verantwortlichen Person.
Nächste-Aktion-AbdeckungAnteil offener Vorgänge mit konkreter Aktion, Verantwortlichem und Fälligkeit.
Überfällige AktionenAnzahl und Wert der Vorgänge, deren vereinbarte nächste Aktion bereits fällig ist.
Beobachtete ReaktionenAnteil kontrolliert kontaktierter Vorgänge mit nachweisbarer Antwort — ohne daraus einen Auftrag abzuleiten.
Verifizierte ErgebnisseVom Vertrieb bestätigte Chancen und finanziell belegte Aufträge getrennt von bloßen Reaktionen.
03 / DATENQUALITÄT

Jede Zahl braucht einen Nenner und einen Stichtag.

Status

„Offen“, „gewonnen“, „verloren“ und „geparkt“ müssen eindeutig definiert sein.

Zeit

Angebotsdatum, letzte Aktivität und Fälligkeit dürfen nicht vermischt werden.

Verantwortung

Ein Teamname ersetzt keinen handlungsfähigen Owner.

Ergebnis

Reaktion, Chance und Auftrag bleiben getrennte Ereignisse.

Eine hohe Reaktionsquote kann auf gute Nachfassarbeit hindeuten, beweist aber weder Kausalität noch zusätzlichen Umsatz.

04 / REVIEW-RHYTHMUS

Vom Monatsbericht zur ausführbaren Arbeitsliste.

  1. Bestand einfrieren.Stichtag, offene Anzahl, Volumen und Altersklassen dokumentieren.
  2. Lücken prüfen.Vorgänge ohne Owner oder nächste Aktion nach Wert und Alter priorisieren.
  3. Aktionen festlegen.Pro Vorgang genau eine nächste Aktion mit Verantwortlichem und Fälligkeit vereinbaren.
  4. Reaktionen erfassen.Antwort, technische Rückfrage, Termin, Absage oder Widerspruch als beobachtetes Ereignis protokollieren.
  5. Ergebnisse belegen.Bestätigte Chance und finanziell verifizierten Auftrag getrennt ausweisen; ungeklärte Kausalität benennen.
05 / MINDESTSTANDARD

Drei Ansichten reichen für den ersten belastbaren Pilot.

Baseline

Unveränderlicher Ausgangsbestand mit Anzahl, Wert, Alter und Vollständigkeit.

Recovery-Queue

Aktuelle Arbeitsliste mit Priorität, Owner, nächster Aktion und Fälligkeit.

Ergebnisreview

Beobachtete Reaktion, bestätigte Chance und verifizierter Auftrag getrennt.

06 / HÄUFIGE FRAGEN

Kurz beantwortet.

Welche Kennzahl ist am wichtigsten?

Keine allein. Offenes Volumen ohne Alter, Owner und nächste Aktion ist nicht steuerbar. Für die operative Arbeit müssen diese vier Perspektiven gemeinsam sichtbar sein.

Ist eine Antwort bereits ein Erfolg?

Nein. Eine Reaktion ist ein beobachtbares Ereignis. Eine bestätigte Verkaufschance und ein finanziell belegter Auftrag sind stärkere, separat nachzuweisende Ergebnisstufen.

Braucht das ein neues CRM?

Nicht, wenn Ihr vorhandenes ERP oder CRM Angebotsbestand, Kommunikationsstand, Owner und nächste Aktion bereits verlässlich zusammenführt. Dann brauchen Sie Angebotsfluss nicht.

NÄCHSTER SCHRITT

Prüfen Sie die Datenbasis vor der Software.

Der 60-Sekunden-Check klärt Volumen, Exportweg, Verantwortung und Pilotfähigkeit, ohne Angaben zu speichern.

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